Meinung: Head Money

Head MoneyBesonders das Jingle am Ende jedes Kapitels von „Head Money“ ruft Erinnerungen wach: Die von einer weiblichen Stimme gehauchten Worte „Fantastische Hörspiele… von Lausch“ haben wir seit vielen Jahren nicht mehr zu hören bekommen. Damit ist klar: Günter Merlau produziert wieder eigene „Hörspiele für Erwachsene“ jenseits der von Maritim weiterfinanzierten und vertriebenen „Schwarzen Sonne“. Mehrere neue Projekte sollen es sein, die Lausch in der Pipeline hat, und nach den ersten Folgen „Head Money“ bin ich gespannt, wo die Reise hingeht. Es ist klasse, dass der gute alte Lausch-Spirit zurück ist, sich in neue Experimente begibt und neue Konzepte ausprobiert.

Der Hörspielmarkt ist – nach meinem Empfinden – in den letzten Jahren immer breiter und flacher geworden. Seit Hörspielserien in erster Linie nur noch (billiger) online veröffentlicht werden, wird im digitalen Vertrieb und auf den Streaming-Plattformen rausgeballert, was 45 Minuten lang halbwegs hirnlos spricht und brummt, Hauptsache der Titel klingt nach irgendwas, was man so kennt. Klar, da sind auch Perlen darunter, aber hochwertige Hörspiele muss ich mittlerweile in der der Massenproduktion im Streaming“ohr“kan an Hördünnpfiff erstmal suchen und finden.  Dass für mich die „Schwarze Sonne“ da in Qualität und Komplexität einzigartig herausragt, muss ich glaube ich nicht extra erwähnen.  Daher bin ich froh, dass Lausch neue Produktionen wagt, neue Geschichten ausprobiert und mit neuen Themen herumexperimentiert (sofern die „Schwarze Sonne“ nicht darunter leidet). Auch mit „Head Money“ hebt sich Lausch wieder einmal weit heraus, liefert ein wunderbares Hörspiel ab und sticht mit hoher Qualität und frischer Idee aus der Flut an Hörspielen deutlich hervor.

„Head Money“ klingt ganz nach Lausch. Ein bisschen Pulp, eine spannende und originelle Hauptstory, viele gut recherchierte Themen, etwas Pathos und viel humorvolles Augenzwinkern, zahlreiche Handlungsstränge und Figuren – die Zutaten (und Stimmen) kennt man so von früheren Lauschproduktionen. Diesmal mischen sich hier allerdings noch politische und moralische Gedanken unter: Es geht um ethische Fragen und viel Zeitgeist – das gefällt mir sehr gut.

Als persönliches Fazit vergebe ich fünf von fünf abgetrennten Köpfen: Die Folgen und das Konzept sind sehr gelungen, das Produktionsniveau hoch, noch höher der Spirit dahinter. Es war mir eine Freude, das zu hören!

Die neue Serie hört sich (im Gegensatz zur Sonne) sehr leicht, es gibt beim Zuhören keine Probleme, den Ereignissen zu folgen, alles ist sehr zugänglich und klar. Das hat einerseits seinen Grund in der Erzählweise, andererseits im klareren Kontext: Zum Verständnis der Geschehnisse brauchen die Hörer diesmal kein Wissen um esoterische, historische oder wissenschaftliche Obskuritäten, sondern einfach nur unsere eigene Gesellschaft und das Zeitgeschehen sind zum Verständnis nötig.

Komplex ist Head Money aber trotzdem, die Geschichte bahnt sich ihren Weg auf vielen Pfaden, die auch unter der Oberfläche miteinander in Verbindung stehen. Ähnlich wie bei der „Sonne“ bildet sich um die Haupthandlung ein Mosaik aus einer Vielzahl von Einzelgeschichten und Einzelszenen. Diese (abgeschlossenen) Facetten machen das Hörspiel besonders vielseitig – und unterhaltsam. Auch politisch werden so die Vorgänge aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, der Hörer erlebt aus vielen Perspektiven, wie die Ereignisse wahrgenommen und eingeschätzt werden. Allerdings kann man da noch kein abschließendes Urteil fällen, denn die Geschichte ist ja noch nicht abgeschlossen: Was vorliegt ist „nur“ Staffel 1 von 3, es sind also die ersten 6 von insgesamt also 18 Folgen. Zu welcher Aussage, welchem Standpunkt das Hörspiel selbst kommt – darauf bin ich gespannt.

Da man über viele Themen und Figuren auch herrlich diskutieren kann (und natürlich auch über deren Schicksale spekulieren), machen wir dazu einen kleinen BeiZeiten-Podcast-Exkurs und quatschen dabei über alle sechs Folgen im Überblick nach Themenschwerpunkten. Falls ihr Lust darauf habt – hört erstmal alle sechs Folgen, wir spoilern natürlich dann kreuz und quer.

Erst kommt die neue Sonne „Gefangener Nr.7“ am 28.2. – die geht vor, dazu machen wir direkt am Wochenende den Cast. Danach gibt’s von uns ein bisschen was zu „HeadMoney“ auf die Ohren.

Habt ihr Head Money schon gehört? Was denkt ihr?

(Torsten Weis, 25.2.2020)

2 Kommentare zu „Meinung: Head Money“

  1. Hallo zusammen,

    ich habe bereits 4 der 6 Folgen von Staffel 1 durch und bin mit den 5 von 5 Köpfen absolut einverstanden. Ich auch der Meinung, dass Inhalte durchaus zugänglicher sind (im Vergleich zur Sonne), was natürlich keinesfalls ein Nachteil ist. Mir gefällt der Bezug / die Aufklärung zu Geschehnissen in der Vergangenheit bzw. Gegenwart sehr gut und bin auch von der Vertonung, Sprecherwahl und musikalischer Untermalung sehr begeistert … naja – man hat gewisse Ansprüche an eine Produktion von Günter Merlau 😉

    Will jetzt nix spoilern – aber mich haben die verzerrten Stimmen in dem Janus-Video recht stark an manche Sonne Momente erinnert … fand ich ganz gut gemacht.

    Ach so – ich finde es super, dass ihr die Reihe hier ggf. besprechen wollt. Ich habe vor Kurzem etwas mit GM geschrieben und dabei die Hoffnung geäußert, dass ihr das im Rahmen eines Podcasts aufgreift.

    Sonstiges: Ich war um ehrlich zu sein über den (niedrigen) Kaufpreis der gesamten Staffel etwas überrascht.

    FAZIT. Ganz großes Ohrenkino und schon reihenweise weiterempfohlen!

    Grüße aus London,
    Andreas

    Gefällt 1 Person

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