Mein allerliebstes Babylon

Hier ein kleines Warmup für den Podcast, in dem wir sehr viel Fokus auf die letzte Szene aus „Operation Epsilon“ gesetzt haben. Ich habe diese Szene beim Hören abgetippt, um im Podcast damit zu arbeiten. Vielleicht können wir euch „Beizeiten“ einen Lösungsvorschlag dieses Mysteriums anbieten…

Transkript der letzten Sequenz aus „Die schwarze Sonne 22 – Operation Epsilon“

Achtung: Kein „originaler“ Skriptausschnitt, nur nach Gehör übertragen.

Bayan: Komm, Adam. Genießen wir für einen Moment zusammen die Aussicht.

Adam in Gedanken:  Ich betrat ein dunkles Plateau, das ringsherum ganz und gar von Sternen,…

Bayan:  Eine wunderbare Stadt, nicht wahr?

Adam in Gedanken:  …einem pulsierenden Feuerwerk beleuchtet wurde.

Bayan:  Es ist von allen Molochs… Molochi… was ist die Mehrzahl von Moloch? Auf jeden Fall ist es mein liebster Sündenpfuhl, mein allerliebstes Babylon.

Adam in Gedanken:  Er stand direkt am Abgrund und starrte mit den Händen in den Hüften auf das Meer aus Lichter, das aus gigantischen Kuben fluoreszierte…

Bayan:     Und es gab etliche wunderschöne Städte, Vorstöße, regelrechte Angriffe, die in die allerhöchste Höhen, fast an die Decke der Schöpfung ragten…

Adam in Gedanken:     … die sich in allen Größen und Formen aus dem Boden erhoben, soweit das Auge reichte. Es war schwindelerregend.

Bayan:     Aber nur fast. Knapp vorbei ist auch daneben, nicht? Zugegebenermaßen, ich habe mir in unserer Zentrale den allerbesten Ehrenplatz gegönnt, einen Ausblick auf die ganze Welt, wenn man so will.

Adam in Gedanken:  Ich hatte seit meinem Eintreffen nicht gewagt zu atmen.

Bayan: Aber er gebührt mir auch.

Adam in Gedanken: Etwas derart Fantastisches hatte ich noch nie zuvor gesehen.

Bayan:   Ich war immerhin von Anfang an da. Die anderen sind erst kurz vor zwölf gekommen, wenn du verstehst.

Adam in Gedanken:   Wir mussten uns hunderte Meter über dem Grund befinden.

Bayan:  Natürlich verstehst du.

Adam in Gedanken: Und doch spürte ich keine Kälte oder Wind.

Bayan:  Komm, Adam, du gewöhnst dich gleich daran. Oder besser: Du erinnerst dich gleich.

Adam in Gedanken: Vorsichtig wagte ich einen Schritt an Bartholomäus heran, der nur wenige Zentimeter vom Abgrund entfernt stehend auf die wogende Decke aus unendlichen Lichtern schaute.

Bayan:  Ich beneide dich um das Vergessen, Adam. Eine weitere kleine Ungerechtigkeit, nicht wahr?

Adam in Gedanken: Und erst jetzt konnte ich erkennen, dass der viereckige Raum zu allen Seiten aus meterhohen Scheiben aus Glas begrenzt war, ….

Bayan:  Ich musste immer irgendwie zurechtkommen mit der unendlichen Last der Erkenntnis, die ich wie Atlas selbst auf den Schultern spürte, tagein, tagaus, ewig…

Adam in Gedanken:   … die nahtlos aneinandergereiht zusammengereiht mit der Decke und dem Boden einen Würfel formten.

Bayan:    … musste diesen Sauerteig schwer verdauen, der nur für den Magen eines Gottes gemacht ist, wie wir wissen.

Adam in Gedanken: Wie konnten Gläser von solcher Größe, noch dazu in dieser Höhe aufgebaut, fabriziert worden sein?

Bayan: Ich habe sie alles gelehrt, was sie aus der primitiven Tumbheit ihrer geradezu einfallslosen Existenz herausgehieft hat. Ich habe ihnen das Feuer gebracht, Adam!

Adam in Gedanken:  Je näher ich der Wand aus durchsichtigem Glas kam, umso mehr konnte ich von dem erblicken, was sich unter uns erstreckte.

Bayan:   Du musst zugeben, dass ich es war, der im Grunde alles Wesentliche für sie geschaffen hat.

Adam in Gedanken: Die aus vielen kleinen Öffnungen leuchtenden, teilweise gigantischen Quader waren riesige Häuser!

Bayan:  Und hinterher wurde es dann als ein Höllenfeuer diffamiert. Ein Sturz aus dem Paradies.

Adam in Gedanken: So unglaublich diese Wohnstätten auch sein mochten…

Bayan:  Weißt du, wie dieses Paradies aussah, bevor ich das Erkennen brachte?

Adam in Gedanken:  Die sich schlängelnden Linien aus roten und weißen Lichtern waren… Straßen, in denen beleuchtete Wagen fuhren!

Bayan:  Sicher, es gab keinen Kummer, keine Leiden und keine Sorgen, es gab „das Böse“ nicht.

Adam in Gedanken:   Das Plateau, von welchem wir auf diese Stadt blickten, musste ebenfalls einer dieser Kuben sein,…

Bayan:    Aber du weißt genauso gut wie ich: Es gab auch keine Liebe, keine Hoffnung und auch das Gute nicht.

Adam in Gedanken:    … der die anderen Gebäude noch zu überragen schien.

Bayan:    Eine Welt ohne das Gute. Weißt du, wie trostlos so eine Existenz ist?

Adam in Gedanken: War das die Hölle?

Bayan:    Natürlich weißt du es! Wer kann so etwas ertragen?

Adam in Gedanken:   Der Himmel?

Bayan:     Ich konnte es nicht! Ich musste etwas tun!

Adam in Gedanken:      Eine andere Welt? Ich stand jetzt wenige Schritte von ihm entfernt und starrte wie hypnotisiert auf die gigantische Metropole.

Bayan:      An die Felsen der Existenz geschlagen, dem Adler die täglich nachwachsende Leber zum vergnüglichen Fraß anbietend…

Adam in Gedanken:   Und wie aus weiter Ferne drang ein Erkennen an meinen ragenden, staunenden Geist.

Bayan:   … habe ich mich den Schmerzen des Lebendigen und des Todes ausgesetzt. Weiß Gott!

Adam in Gedanken:  Ein Verstehen näherte sich,…

Bayan:  Und ich habe das gestürzte Kreuz der Existenz auf mich genommen…

Adam in Gedanken:    unscharf, verschwommen…

Bayan: … habe es geschleppt, bis mir alle Knochen im Leib zerschmettert und zermahlen waren.

Adam in Gedanken:   Es schien mir als würden verschiedene Zeiten wie Flüsse in einen einzigen Strom münden,…

Bayan:   Und was hat die „Propaganda“ aus mir gemacht? (ironisch) „Zum Verderbnis der Menschen“ haben wir beigetragen, weil wir die Geheimnisse verraten haben.  Welcher fürsorgende Vater ist nach seinem Abtritt noch so geizig, Adam?

Adam in Gedanken:     …das Wissen verschiedener Epochen, unzähliger Dimensionen…

Bayan:     So geizig! Während die Menschheit wie eine Schar wimmernder Maden im Urschlamm der Ahnungslosigkeit kriecht…

Adam in Gedanken:    … in das eine unendliche Meer münden. Ein Meer aus Licht.

Bayan:    … behält er sich das Wissen und die Macht vor. Der Allmächtige!

Adam in Gedanken:   Und Licht im Licht!

Bayan:     Der Schöpfer,…

Adam in Gedanken:    In dem der Mond des Vergessens unterging…

Bayan:     …der „ach so liebe“.

Adam in Gedanken:    … und das Wissen in mir aufstieg.

Bayan:   Gott! Ich habe nur eine Pflicht getan.

Adam in Gedanken:    Nathaniel!

Bayan:        Und dass es die meine wurde, hatte nur damit zu tun, dass ich weder genügend blind bin, …

Adam in Gedanken:    Der Untergang in Nedrig Wind!

Bayan:      … noch genug Angst hatte.

Adam in Gedanken:    Der Weiße!

Bayan:      Ich war einfach nur derjenige von euch, der es gewagt hat,…

Adam in Gedanken:   Mimi!

Bayan:      …der tat, was getan werden musste.

Adam in Gedanken:    Die Jahre…

Bayan:     Gerechtigkeit! Gerechtigkeit, Adam! Ich habe sie ihnen gebracht!

Adam in Gedanken:    … Jahrzehnte…

Bayan: Zur Strafe wurden wir von seinem „Heiler“ gebunden, gesteinigt und „in die Finsternis geworfen“, wie es so schön heißt.

Adam in Gedanken:    … Jahrhunderte…

Bayan:      Und jetzt erhältst DU dich Chance…!

Adam in Gedanken:   Er zog einen Stab, eine Lanze aus dem Nichts,…

Bayan:  … es besser zu machen. Besser als das ewige Schaukeln im Gleichklang eines wertlosen Daseins.

Adam in Gedanken:    …. schwang sie kunstvoll in der Luft,…

Bayan:   Du kannst alles nach deinem Willen formen! Das Gute, das Bessere, das Beste erschaffen.

Adam in Gedanken:    … so dass Funken in der Luft stoben…

Bayan:   Endlich für die Gerechtigkeit deiner Familie sorgen, mein lieber Bruder!

Adam in Gedanken:     … und feurige Kristalle zu Boden fielen…

Bayan:   Das Menschsein endlich aus der Wüste führen, in die heiligen Hallen der Götter….

Adam in Gedanken:    … drehte ihn ein letztes Mal virtuos in den Händen…

Bayan:     … die uns schon längst vergessen haben,…

Adam in Gedanken:    … und reichte ihn mir.

Bayan:  … die uns längst verlassen haben.

Das Geräusch von Metall und Funken.

Adam in Gedanken:  Ich griff zu.

Bayan: Alles, alles will ich dir geben, wenn du dich nur niederwirfst…

Adam:  Und dann ward…

Bayan:    …und betest.

Adam:   Licht!

4 Kommentare

  1. Sehr cool!!!
    Tolle Arbeit.

    Dass Bayan „betest“ zum Schluss sagt, habe ich gar nicht so differenziert rausgehört.

    Ergibt so natürlich Sinn!

    Es hilft wohl, beide Passagen (Adam und Bayan) auch getrennt voneinander zu lesen.

    Ich bin sehr gespannt auf euren Podcast.

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  2. Vielen Dank für das Transkript. Tolle Arbeit.

    Was mir beim ersten Hören schon aufgefallen ist:
    Hier sagt Bartholomäus: „Ich war immerhin von Anfang an da. Die anderen sind erst kurz vor zwölf gekommen, wenn du verstehst.“
    In Folge 18 in Kairo sagt „der Direktor“ zu Arabella, bevor er von ihr unterbrochen wird: „Es gibt aber durchaus auch andere Interessen. Zum Beispiel von denen, die erst seit kurzem…“ Erscheint widersprüchlich, aber vielleicht bezieht sich die beiden Aussagen auch auf unterschiedliche Dinge und/oder „der Direktor“ und Bartholomäus sind nicht ganz so die ein und selbe Identität…

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  3. Ich hatte ja am Anfang etwas mühe den Ort wo die beiden sich befinden zu identifizieren. Irgendwie hatte ich an den Schluss von Interstellar gedacht. Jetzt erscheint mir aber eher auch, dass es sich wohl um eine Aussichtsplattform von einem gläsernen Wolkenkratzer handelt. 🙂

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  4. „Gut so, ein Erfolg der Mission wird euren Weg zurück zum Licht sehr befördern!“

    Danke vielmals für das Transkript! Ich bin schon sehr gespannt auf eure Interpretation dieses Wahnsinns-Molochs … Moloches … dieser Szene! 😏

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