Marquis de Sade: 120 Tage von Sodom

Zum Originaltext von „120 Tage von Sodom“: Link

Dieser Episodenroman wurde von de Sade 1785 während seiner Haft in der Bastille verfasst. Die Schrift in Form einer 12 Meter langen Rolle von 11 cm Breite mit teilweise nur mittels einer Lupe lesbaren winzigen Buchstaben wurde nach dem Sturm auf die Bastille von Armoux de Saint Maximin gefunden und aufbewahrt. De Sade hielt den Text für verloren. 120 Tage Sodom

De Sade schildert ausführlich die später nach dem Autor benannten sadistischen Sexualpraktiken von vier während der Regentschaft Ludwigs XIV. durch Steuer-Erpresserei zu Reichtum gelangten Franzosen im Laufe eines von obszönen Erzählungen begleiteten, mehr als viermonatigen Aufenthalts in einem zugemauerten Schloss an einem geheimen abgelegenen Ort Südwestdeutschlands oder der Westschweiz.

Die Handlung folgt einem ausgefeilten Konzept, das strikt durchgehalten wird. In ihr ist bis ins Detail festgelegt, wer mit wem zu welchem Zeitpunkt welche Art von Sexualpraktik durchexerziert. Daneben bestehen eine bizarre Hausordnung und eine strenge Hierarchie. Jeden Monat hat ein anderer Libertin das oberste Kommando und die Aufsicht über den regulären Ablauf der Orgien. Die jugendlichen Sexsklaven werden in besonderen Gemächern gefangen gehalten. Die Kapelle dient als Toilette.

Den Libertins werden die Sexualobjekte zugewiesen, denen sie vorstehen. Jeden Samstag gibt es eine besondere Samstagsorgie, die gleichzeitig Abstrafungstermin für Verfehlungen ist.

Der Text wird in vier Handlungsabschnitte zu je 30 Tagen eingeteilt (für die Monate November bis Ende Februar). Deren Inhalt sind in Form von Erzählungen und Sexualhandlungen:

  1. Die 150 einfachen Passionen (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie das Ejakulieren in das Gesicht eines Kindes, das Trinken von Urin, das Essen von Kot, das Prostituieren der eigenen Tochter, um sie bei perversen Handlungen zu beobachten.)
  2. Die 150 komplexen Passionen (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie das Vergewaltigen von Kindern, Inzest, Flagellation, sadomasochistischen Gruppensex.)
  3. Die 150 verbrecherischen Passionen (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie Analverkehr mit Kleinkindern, sexuelle Handlungen an Leichen, Verkehr mit Tieren, das Verstümmeln des Sexualpartners.)
  4. Die 150 meuchlerischen Passionen (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie das Töten von Kindern vor ihren Müttern, das Herumwühlen in den Eingeweiden noch lebender Körper, das Masturbieren während des Folterns einer Vielzahl von Frauen und Männern bis zu ihrem Tode.)

Im Anschluss folgt ein Überblick über die fortgesetzten und abschließenden Handlungen im März.

Die Protagonisten

Hauptpersonen der Ereignisse sind vier Libertins im mittleren Alter zwischen 45 und 60 Jahren und deren Töchter, die gleichzeitig deren Ehefrauen oder Sexualgespielinnen sind. Insgesamt bedienen sich die Herren eines unterworfenen Personals einschließlich ihrer Ehefrauen bzw. Töchter von 42 Personen.

Die vier Libertins:

  1. Der Herzog von Blangis ist ein ausgesprochener Feind aller Tugenden, er lebt in allem unmäßig. Er ist verschwenderisch in seinem Vergnügen und geizig, wenn es ums Nützliche geht. Geistig und physisch ist er ein pathologisches Monster, ein Sadist und notorischer Meuchelmörder. Er hat den ständigen Drang zum Orgasmus.
  2. Dessen Bruder, ein Bischof und gleichzeitig Atheist von gleichem schurkischen Charakter, jedoch mit mehr Verstand und Raffinesse, ist leidenschaftlicher Päderast und im Besitz einer verfeinerten sinnlichen Empfindungsfähigkeit bei durchschnittlicher Potenz. Er hasst das weibliche Geschlechtsteil.
  3. Der Präsident Curval, ein pensionierter höherer Richter, gibt zu, dass es ihm in seiner Amtszeit Vergnügen bereitet hat, einen Unschuldigen zu verurteilen. Er hat Potenzprobleme und kommt nur im Exzess zum Orgasmus, dafür führt er fortwährend schmutzige Reden und ist fast ständig betrunken. Er verbreitet aufgrund seiner Unreinheit einen üblen Geruch.
  4. Der Steuerpächter Durcet liebt den passiven Analverkehr und hat einen winzigen Penis. Er heuchelt öffentlich den Ehrenmann.

Die vier Töchter:

  • Julie, Constance, Adelaide und Aline
    • Der Herzog ist der Vater Julies und der Gatte von Constance, die die Tochter von Durcet ist.
    • Durcet ist der Vater von Constance und der Gatte von Adelaide, die die Tochter des Präsidenten ist.
    • Der Präsident ist der Vater von Adelaide und der Gatte von Julie, die die Tochter des Herzogs ist.
    • Der Bischof ist der offizielle Onkel, in Wirklichkeit der Vater von Aline, die seine Sexualgespielin ist.

Vier ältere lasterhafte Erzählerinnen, die einschlägige Erfahrungen in perversen Sexualpraktiken haben:

  • Vier Dienerinnen, ausgewählt wegen ihrer auserlesenen Hässlichkeit
  • Acht Beschäler mit außergewöhnlichen Geschlechtsteilen von ausgesuchter Erektionskraft
  • Acht jugendliche Sexsklavinnen
  • Acht jugendliche Sexsklaven
  • Sechs Personen Küchenpersonal, drei Köchinnen und drei Mägd

Quelle: Wikipedia