Autor: Torsten Weis

Podcast 17 – Hölle auf Erden

Freunde der Sonne, haltet den Kindern die Ohren zu und hört nur dann im Auto mit offenem Fenster, wenn ihr mal klarstellen wollt, was euch so umtreibt: Unser erster expliziter Podcast zur  „Hölle auf Erden“ ist da! Tor zur HölleIn diesem Sinne: Ihr, die ihr zuhöret, lasst alle Hoffnung fahren.

Wir klären investigativ und hemmungslos auf, was Jack zwischen seinen Zähnen hat, was tatsächlich in Holmes‘ Folterkeller in Chicago passiert ist, wir reden über süße Träume, das Fegefeuer und die Tentakel des Herrn, bevor auch wir endgültig zersplittern und uns wieder bei Zeiten sammeln müssen. Guten Appetit, äh, viel Spaß damit!

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Zur Episodenübersicht: Hölle auf Erden

Themenindex: Hier

Marquis de SadeWeiterführende Texte:

Dante: Göttliche Komödie

Marquis de Sade: 120 Tage von Sodom

Die Versuchung Jesu in der Wüste

Oscar Wilde: Salome

 

 

 

Übrigens: Aus Zeitgründen (diesmal haben wir ja fast 2,5 Stunden gequatscht) sind am Ende ein paar Sachen unter den Tisch gefallen. Was noch eine interessante Sache ist: Das Cover.

Luzifer frisst die Verräter

Die Abbildung aus dem Cover zeigt eine Zeichnung aus Dantes „Göttliche Komödie“, und zwar eine Abbildung Luzifers, der am tiefsten Punkt des Infernos („am tiefsten Punkt der Hölle“, der Satz kommt von Adam) sitzt und dort die biblischen Verräter verspeist.
Nachdem dieser Satan überwunden wurde, geht es übrigens bergauf den Läuterungsberg hinauf (Purgatory), immer weiter auf den Garten Eden zu.

Damit ist das Cover eine gelungene Untermalung des Titels „Hölle auf Erden“.

Beiträge zum Podcast?

Und, habt ihr die neue Folge schon gehört? Den Podcast dazu nehmen wir kommendes Wochenende auf.

Wenn euch beim Hören irgendwas eingefallen ist, über das wir mal reden sollen, euch bei der Folge im Kopf herumspukt oder euch einfach interessieren würde: Schreibt es uns, einfach hier oder an beizeiten@gmx.net, dann können wir gerne BeiZeiten darauf eingehen.

Ersteindruck der Folge 17: Boeuf Stroganoff à la Jack

Die über ein halbes Jahr erwartete Folge 17 „Die Hölle auf Erden“ ist nun erschienen und seit heute (5.10.) im Handel – offenbar diesmal nicht nur exklusiv vorab bei iTunes, sondern auch direkt als CD erhältlich. Ich habe mich lange auf die Folge gefreut, auch der Podcast hat eine längere Pause dadurch erlebt, entsprechend groß war mein Hunger heute auf die neue Folge der „Schwarzen Sonne“.

Und wie hat sie gemundet? Ich habe die Folge verschlungen wie Jack in dieser Folge sein „Boeuf Stroganoff“, und es war äußerst köstlich. Zwar bin ich jetzt noch nicht ganz satt, aber das wird man von der Sonne ja (zum Glück) nie. Ein Boeuf Stroganoff ist übrigens ein Ragout, in dem edle Rinderfiletspitzen mit anderen Zutaten vermengt werden. Jack ist schon ein äußerster Gourmet.

Boeuf Stroganoff

In seiner Konzeption schließt „Die Hölle auf Erden“ an die drei Vorfolgen an, und damit wirkt dieses leckere Gericht tatsächlich wie ein Ragout, dessen vielseitige Zutaten erstmal einzeln gekostet werden müssen.

„Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!
Solch ein Ragout, es muss euch glücken;
Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.
Was hilft’s wenn ihr ein Ganzes dargebracht,
Das Publikum wird es euch doch zerpflücken.“ (Faust, V.99-103)

Mit dieser Folge verhält es sich genauso wie mit diesem geglückten Ragout: Mehrere Stücke sind enthalten, viele Geschmacksrichtungen werden bedient, und zwar äußerst unterschiedliche und auch entgegengesetzte.

Das Kunststück ist, dass dies gelingt. Es ist eine Folge, die durch und durch typisch für Günter Merlaus Erzählweise ist. Fünf (isolierte) Handlungsblöcke, die „am Stück“ geblieben und nicht in sich zerrissen nacheinander zu hören sind, bieten uns neue Häppchen, um die große Geschichte zu ergänzen und die kleineren Geschichten abzuschließen. Günter Merlau geht dabei mit seiner Erzählung wieder einmal an Grenzen, die er genüsslich überschreitet. Nach den recht zahmen letzten Folgen geht es wieder deutlich härter zur Sache.

Die Elemente dieser Folge sind facettenreich – jeder Handlungsstrang bedient ein anderes Extrem:

Gore und Splatter sind zurück, und das ausgiebig. Das ist ja gar nicht so mein Ding, anderen wird’s vielleicht mehr gefallen. Dies wechselt zu einer humorvollen und obszönen Sequenz über Jacks Entwicklung, ich musste richtig lachen und fand es gleichzeitig unbehaglich. Dem gegenüber stehen stille persönliche Töne, in denen H.P. Lovecrafts Geschichte erzählt wird. Obskur und mysteriös wird es schließlich um Winfield Lovecraft: Die Mystik hat in dieser Folge wieder das Ruder übernommen und die Wissenschaft in den Hintergrund geschoben, die Geschichte um H.P. Lovecrafts Vater wird geheimnisvoll und tragisch zu Ende erzählt. Am Schluss wird es wieder eher melancholisch: Über verkannte Genies, Wissenschaftler und Künstler wie Lovecraft und Tesla spricht Adam im abschließenden Dialog, der wie ein Statement zum zentralen Thema dieses Vierteilers klingt.

Mein Rat: Den „Chicago“-Vierteiler (14-17) unbedingt am Stück hören. Die vier Folgen zusammen wirken auf mich wie einzige große Folge. Besonders auch durch die lange Wartezeit zwischen den Veröffentlichungen wirken die Elemente isoliert für sich nicht so stark, als Einheit ergibt der Vierteiler aber eine runde und intensive Geschichte, nämlich die von Adam und Nathaniels Abenteuer in Chicago um Tesla und das Holmes-Hotel, um die Krise der Familie Lovecraft und die Freundschaft, die daraus erwächst.

Fazit: Unbedingte Hörempfehlung. Jack würde sagen: „Eine reife Frucht, gut abgehangen“. Es war für sich vorzüglich, ein Leckerbissen, ein Boeuf Stroganoff. Satt bin ich aber nicht. Es war eine sehr gute, aber keine „bahnbrechende“ Folge, wie im letzten Podcast heraufbeschworen. Ich gebe zu, da haben wir uns wohl ein wenig hineingesteigert und übertrieben. Die großen Ereignisse, die wir „Bei Zeiten“ in unserer Erwartungshaltung angesprochen haben, bleiben (teilweise) aus, die kleineren Geschehnisse – die der Binnenhandlung des Vierteilers – kommen zu einem runden Ende.

Was das „Rückgrat“ der Sonne, die Geschichte um Adam (der Artefuck), Jack (und sein ewiges Dasein), Sarah (und ihre Grenzüberschreitungen), Arabella (und ihre sieben Häute)  und Nathaniel (und das, was die Welt im Innersten zusammenhält) angeht, bleibt es spannend und ungewiss.

Mit Dank für diesen Hörgenuss freue ich mich schon auf die nächsten Folgen. Ich bin froh, dass es weitergeht, denn es bleibt der Appetit nach mehr:

„Ich sag’ euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr,
So könnt ihr euch vom Ziele nie verirren,
Sucht nur die Menschen zu verwirren,
Sie zu befriedigen ist schwer –“ (Faust, V.129-134)

P.S.: Und jetzt muss ich mich wohl erstmal zum Thema „Conan, der Cimmerier“ schlau machen.

Spoilerdiskussionen zur Folge bitte unter folgendem Link: KLICK

Conan

Lovecraft: Die Musik des Erich Zann

Ein Tipp für Lovecraft-Interessierte: Von „GM Factory“ gibt es kostenlose Lesungen verschiedener Lovecraft-Kurzgeschichten, ist toll vorgetragen und atmosphärisch unterlegt, lohnt sich!

Wir hatten es im Podcast ja auch schon mal von der „Musik des Erich Zann“ als es darum ging, dass Lovecraft „Töne von außerhalb des Lebens“ zu hören behauptet. Um Ähnliches geht es in dieser Story.

Tipp: Babbel-Net

Hey Flieger der Sonne,

unsere Podcast-Kollegen von „Babbel-Net“ widmen sich in ihrer Folge #159 ausführlich dem Thema Hörspiele. Hört mal rein, sehr zu empfehlen!

babbel

Ab  4:24:40 (vier Stunden und 24 Minuten!) geht es dann auch ausführlicher um die „Schwarze Sonne“. Der über sechs Stunden lange Podcast hat aber natürlich noch viel mehr zu bieten, lohnt sich!

Hier gehts lang: Link zu #159 Babbel-Net

 

Die Hölle kommt!

Endlich geht es weiter! Ich habe mal drauf los gesucht und gesehen, dass Amazon das Veröffentlichungsdatum für die CD der Folge 17 „Hölle auf Erden“ am 4.10.2018 angibt.

Das sind doch schon mal gute Nachrichten! Bei Apple ist noch nix zu sehen, ich halte die Augen offen – keine Ahnung, ob da wieder zwei Wochen früher die Hölle ausbricht.

So oder so, ich freu mich drauf, endlich geht es weiter!

Cover 17